Sammlergemeinschaft Lateinamerika (Spanisch), Arbeitsgemeinschaft im BDPh e. V. - Belege des Monats

Belege des Monats

September 2020

Uruguay - ungewöhnliche Post in die alte Welt

Wer früher Post in die alte Welt schickte, der musste offenbar einiges über die dortigen Verhältnisse wissen. Diese Karte wurde im Herbst 1912 aus Montevideo in Uruguay in das Osmanische Reich geschickt - und der Absender wusste, dass es dort in Konstantinopel, der Stadt am Bosporus, Postämter diverser ausländischer Staaten gab. Adressiert hatte er die Karte, die als Drucksache gelaufen ist, an das französische Postamt. Bearbeitet wurde das Poststück dann aber vom österreichischen Postamt. Die Karte erreichte den Empfänger am 6. Dezember 1912 - und das wird dem Absender sicher das wichtigste gewesen sein.

 

August 2020

Mexiko - wo der Stierkampf (auch) zu Hause ist

Stierkampf - eine spanische Leidenschaft! Nur eine spanische? Offenbar auch ein mexikanisches Volksvergnügen, wie diese Postkarte aus dem Jahr 1907 beweist. Gerichtet war die Karte an den "lieben Onkel" in Deutschland. Und der war sicher erstaunt über die ungewöhnliche Optik aus dem fernen Mexiko.

 

Juli 2020

Chile - Dienstpost nach Übersee

Dienstbriefe sind gewöhnlich solche, die nur im Inland laufen. Auch die Marken, so ein Staat denn spezielle Postwertzeichen für den Dienstgebrauch verausgabte, waren oft nur im Inland gültig. Auch Chile hatte Dienstmarken in vielfältiger Ausführung - die als Auslandsverwendung möglich waren. Zu sehen ist hier ein Luftpostbrief vom 15. Februar 1934 aus Santiago; Absender ist das Außenministerium. Der Brief war zunächst an den Konsul in Bayonne gerichtet, wurde dann aber nach Biarritz weitergeleitet - der Konsul war vielleicht dort im Urlaub. Interessant sind diese Briefe auch deshalb, weil die Luftpostbeförderung Rätsel aufgibt. Die Marken im Wert von 1,20 Pesos decken nur den Tarif für einen Auslandsbrief ab. Der Luftpostzuschlag wurde vermutlich pauschal - entweder monatlich oder jährlich - vom chilenischen Staat an die Luftfahrtgesellschaft bezahlt. In diesen Jahren waren es die Franzosen, die den Transatlantikdienst aufrecht erhielten - mit der späteren Gesellschaft Air France.

 

Juni 2020

Chile - schnell, schneller, ein Telegramm

Wer heute eine schnelle Nachricht loswerden möchte, der greift zum (Mobil-)Telefon, schreibt eine Mail oder SMS oder versendet eine What's-App-Nachricht. Das war früher natürlich nicht möglich. Die schnellste Form der Nachrichtenübermittlung an Jedermann war das Telegramm. Per Telegrafie - zunächst nur via Kabel, später auch drahtlos - kamen dringende Botschaften rasch an. Das war auch in Chile üblich. Überliefert sind schöne Belege mit eindrucksvoller Aufmachung. Gezeigt wird hier ein Umschlag der staatlichen Telegrafengesellschaft vom 18. Januar 1899, der innerhalb Santiagos lief. Mit ihm wurde die Botschaft an den Empfänger zugestellt. Der Ortsbrief kostete 2 Centavos. Warum hier das Strafporto (doppelter Portosatz) erhoben und mit Nachportomarken verklebt wurde, ist unklar. Vermutlich waren Post- und Telegrafenverwaltung organisatorisch getrennt. In jedem Fall macht der Beleg klar, dass die moderne Technik nicht solche Zeitzeugnisse zu hinterlassen vermag.

 

Mai 2020

Nicaragua - Langstreckenflüge als großes Abenteuer

Langstreckenflüge sind heute nichts mehr außergewöhnliches. Ein Shoppingwochenende in New York ist selbst für Normalverdiener erschwinglich und nicht einmal exotisch. Anfang der 1930er-Jahre sah das noch anders aus. Die Beförderung dieses Luftpostbriefes hier vom 5. November 1932 aus der nicaraguanischen Hauptstadt Managua war sicherlich ein fliegerisches Wagnis. Der Brief flog von Nicaragua Richtung USA, sicher über Texas, und dann bis New York. Von dort ging es rund 6000 Kilometer über den Atlantik bis Großbritannien und dann auf der letzten Etappe bis Hamburg. Zur Erinnerung: Die erste Überquerung des Atlantiks Non-stop von Charles Lindberg fand erst 1927 statt. Das Flugzeug, das diesen Brief beförderte, wird aber sicher anders ausgesehen haben, als der Luftpost-Cachetstempel und das Motiv der 15-Centavos-Marke vermuten lassen.

 

April 2020

Guatemala - als Antworten aus Übersee noch Zeit benötigten

Eine Antwort auf eine Frage ist in unserer Zeit oft nur eine Frage von Sekunden - Telefone, E-Mails oder andere Messangerdienste machen es möglich. Früher indes musste man viel Geduld haben. Irgendwann im Sommer 1895 richtete ein Carlos W. Kraemer aus Guatemala-Stadt eine Anfrage in die alte Heimat Deutschland, nach Stuttgart. Er verwendete eine sogenannte Antwortkarte, deren anhängender Teil als vorausbezahlte Rückantwort weltweit nutzbar war. Am 1. September 1895 gab dann der Empfänger den Antwortteil in Stuttgart zur Post, am 4. Oktober traf die Karte in Guatemala ein. Vermutlich hat die Klärung der Angelegenheit alles in allem etwa ein Vierteljahr gedauert. Dafür dürfte der Absender seine Worte aber gut gewählt haben. Das ist in unseren schwatzhaften Zeiten nicht immer so.

 

März 2020

Brasilien - eine Zeit, in der Flugreisen noch ein exklusiver Luxus waren

Über Flugreisende hat in jüngster Vergangenheit der Inhaber einer Billigfluglinie einmal gespottet, Passagiere seien nichts weiter als "sich selbst verladenes Gepäck". In der Zeit zwischen den Weltkrieges war eine Flugreise hingegen ein Vergnügen für die betuchte Oberschicht wie dieser dekorative Luftpostbrief aus Brasilien von 1932 veranschaulicht. Wo findet man heute noch einen so adretten Steward am Flughafen? Und war hat noch einen Dienstboten auf dem Weg zum Flugzeug an seiner Seite, der für einen die Koffer wuchtet? Niemand, die Zeit ist vorbei, dafür dürfte heute selbst die Holzklasse bequemer sein als der Komfort damaliger Propellermaschinen. Recht schnell waren die auch schon: Der Brief hier wurde am 11. März 1932 in Rio de Janeiro aufgegeben und war bereits, befördert durch die US-Fluggesellschaft Panair, am Folgetag auf den Niederländischen Antillen. Ob das die Post heute auch noch schafft?

 

Februar 2020

Dominikanische Republik - ein Inselstaat, lange bevor er zum Urlaubsland wurde

Urlaub in der Dominikanischen Republik? Heute gilt der Karibikstaat längst nicht mehr als exotisches Reiseziel. Massentourismus aus Europa und Nordamerika spülen viel Geld in die Staatskasse. Das war natürlich nicht immer so - schon allein deshalb nicht, weil das Land in der Zeit, als Segelflüge schon eine Pionierleistung waren, nur sehr zeitraubend zu erreichen war. Diese Auslandsganzsache hier wurde in Santo Domingo, der Hauptstadt, am 15. November 1895 aufgegeben und erreichte den Bestimmungsort Hannover in Deutschland am 5. Dezember. Für die damalige Zeit ein beeindruckendes Tempo, doch für einen Urlaub dauerte die An- und Abreise damals dann doch wohl zu lange.

 

Januar 2020

Peru - ein aussagekräftiger Luftpostbrief von 1937 nach Italien

Anlässlich der Interamerikanischen Luftverkehrskonferenz 1937 wurden in Peru vier Luftpostmarken ausgegeben. Obenstehender Brief wurde via Faucett (Compania de Aviacion Faucett SA.) und Air France, blauer Stempel oben links, nach Torino befördert. Von da aus ging dann die Reise mit der Bahnpost weiter nach Genua - bis der Empfänger im kleinen Dorf Sori östlich von Genua erreicht wurde, was die Stempel auf der Briefrückseite belegen. Auf der 15-Centavos-Marke sehen wir das Porträt von Jorge Chavez, der auch hier in Europa kein Unbekannter ist - durch seinen Erstflug über die Alpen, Brig –Domodossola, der leider infolge Absturz bei der Landung für den Pilot tödlich endete. Das Briefporto setzt sich wie folgt zusammen: Luftpost Peru bis Europa 1.65 Peso plus 20 Centavos Einschreiben. 

 

Dezember 2019

Bolivien - ein sicher alter Kontakt über alle Kontinente hinweg

Das Jahr 1946 - die Schrecken des Zweiten Weltkrieges lagen nur wenige Monate zurück. Und überall auf der Welt mussten sich Menschen, die vor dem Nazi-Regime geflüchtet waren, neu orientieren. Blieb man in der neuen Heimat? Kehrte man nach Deutschland zurück? Oder, wenn man jüdischer Flüchtling war, gab es eine Möglichkeit, nach Palästina, der kommenden Heimstätte der Juden aus aller Welt, zu emigrieren? Wir wissen nicht, was Heinz Licht Ende September 1946 seinem Freund Felix Gluskinus in Tel Aviv geschrieben hat, der Inhalt des eingeschriebenen Luftpostbriefes aus La Paz in Bolivien fehlt leider. Vielleicht kannten sich beide noch aus ihrer Zeit in Deutschland? Konnte Felix Gluskinus Heinz Licht bei der Auswanderung nach Palästina helfen? Sicher ist: Der Brief macht deutlich, dass jeder postgeschichtliche Brief ein Fenster der Geschichte öffnet.

 

November 2019

Venezuela - ein Luftpostbrief in den Wirren des Krieges

Im 19. Jahrhundert benötigte ein Brief mit dem Schiff von Venezuela bis Europa etwa drei Wochen. Später beschleunigten Flugzeuge die Postbeförderung. Doch im Zweiten Weltkrieg dehnten sich die Laufzeiten der Briefe aus Südamerika wieder extrem aus. Der oben gezeigte Brief wurde am 17. Juni 1941 in der Hauptstadt Caracas zur Post gegeben - und erreichte den Empfänger erst etwa drei Monate Später. Die Schneckenleistung war mit den Wirren des Krieges begründet. Der Brief durchlief die US-Zensurstelle auf den Bahamas, wurde dann über New York und Lissabon mit dem Flugzeug befördert und von dort per Bahn über Spanien weiter Richtung Norden. Die deutsche Zensurstelle Köln prüfte den Inhalt abermals. Vermutlich am 17. September 1941 traf er am Bestimmungsort ein. Eine großartige Leistung trotz allem, denn die Widrigkeiten jener Zeit sollte man nicht unterschätzen.

 

Oktober 2919

Guatemala - ein Einschreiben begibt sich auf verschlungene Wege

Postsendungen - das sind gemeinhin Stücke, die von A nach B befördert werden. So ist es oft, aber eben nicht immer - und das macht die Philatelie interessant. Dieser eingeschriebene Brief hier wurde wurde am 25. Februar 1939 von einem US-Amerikaner aus dem Neuengland-Staat Rhode Island in Guatemala zur Post gegeben. Adressiert war er nach Haiti - eine immer recht seltene Destination. Man darf annehmen, dass der Brief direkt in östliche Richtung in die Karibik befördert wurde. So war es aber nicht: Der Brief erreichte am 1. März Kubas Hauptstadt Havanna und reiste dann Richtung Norden nach New York; ganz so, wie es der Absender gewünscht hatte. Am 5. März kam er in der Hafenstadt an der US-Ostküste an und am 10. März dann am Empfangsort. Warum der Umweg gewählt wurde, ist unklar. Möglicherweise lag das daran, dass Haiti französisch geprägt war und Schiffe dorthin - vermutlich französische Schiffe - nur ab New York fuhren. Man sieht: Interessante Leitwege sind nicht nur auf Post des 19. Jahrhunderts zu finden.

 

September 2019

Chile - ein Brief aus schwerer Zeit mit seltener Destination

Briefe mit seltenen Destinationen gehören seit einigen Jahren zu den Höhepunkten einer Sammlung. Wenn sie dann noch aus einer schweren Zeit stammen, sind sie ganz besonders interessant. Der eingeschriebene Brief aus Chile hier wurde am 1. April 1941 in Serena zur Post gegeben und war nach Niederländisch-Indien adressiert. Er passierte auf dem Schiff den Panamakanal, durchlief New York, und nach einer Reise mit der transkontinentalen Eisenbahn erreichte er San Francisco. Am 10. Juni kam er per Schiff in Sumatra an - ein schnelles Tempo für die Kriegszeit. Kurze Zeit später wurde die niederländische Kolonie von Japan besetzt. Der Brief ist zusätzlich attraktiv, weil er ausschließlich mit Marken aus dem Satz zum Jubiläum der spanischen Kolonialisierung Chiles frankiert wurde. 

 

August 2019

Kolumbien - oder eine besondere Art, Wertbriefe zu versenden

Wertbriefe waren früher ein unverzichtbarer Teil des Geschäftslebens. Mit ihnen bezahlte man bar seine Rechnungen, denn Girokonten in der heutigen Form gab es im 19. Jahrhundert noch nicht, und über Bankkonten verfügte auch nicht jeder. Kolumbien hatte sich eine extravagante Form der Wertbriefbehandlung ausgedacht. Frankiert wurden die Kuverts nicht mit Marken, sondern mit besonderen Wertaufklebern mit eingedruckter Portoangabe - Ganzsachen gewissermaßen. Bei der Zustellung quittierte dann der Empfänger den Erhalt der Sendung; der Coupon wurde abgetrennt und verblieb als Auslieferungsnachweis bei der Post. Der hier gezeigte Aufkleber wurde am 8. April 1899 in Bogota verwendet und diente zum Versand eines Briefes im Wert von 100 Pesos - damals eine hohe Summe. Der Empfänger hat unten in der Mitte unterschrieben. Da die Aufkleber schön gestaltet wurden, sind sie heute ein beliebtes Sammelobjekt.

 

Juli 2019

Chile - Postbeamte können auch mal kreativ sein

Seit Herbst 1853 war es in Chile erlaubt, bei einem Mangel des 5-Centavos-Wertes den 10-Centavos-Wert diagonal zu halbieren. Diese Regelung galt bis Ende 1861, obwohl es zwischenzeitlich ausreichend Briefmarken gab - man hatte sich offenbar auf den Postämtern an das Zerschneiden der Marken gewöhnt. Der oben gezeigte Brief ist in dieser Hinsicht besonders kurios: Er wurde am 15. März 1858 beim Postamt in Santiago eingeliefert und ist nach San Juan im Nordwesten Argentiniens gerichtet. Zu frankieren war er mit 10 Centavos. Doch wohin die Marke kleben, wenn der Absender den kleinen Umschlag schon mit der Adresse vollgeschrieben hat, mag sich der Postbeamte gedacht haben. Also griff er zur Schere, zerteilte die Marke und klebte die Hälften in die Ecken des Umschlages. Der Brief war nun korrekt frankiert und die Marken, wie in der Postordnung verlangt, vorderseitig verklebt. Man muss sich eben zu helfen wissen.

 

Juni 2019

Kolumbien - ein Brief, der zwei Zensurstellen passierte

Papier ist ein recht verletzliches Material. Da mutet es oft erstaunlich an, dass Briefe ihre lange Reise über Kontinente hinweg mitunter unversehrt überstanden. Bei diesem Brief aus Kolumbien ist das nicht so. Er wurde am 31. Oktober 1940 in Bogota aufgegeben und war an eine Firma in Hamburg adressiert. Der Brief durchlief zunächst die britische Zensurstelle in der Karibik und wurde zur Weiterbeförderung feigegeben, da Kolumbien sich im Zweiten Weltkrieg zu dieser Zeit neutral verhielt. Irgendwann, wir wissen es nicht, traf der Brief in Deutschland ein und gelangte dort zur Zensurstelle in Frankfurt (Main), die eingehende Post aus Südamerika bearbeitete. Irgendwo auf der etwa 15.000 Kilometer langen Reise war er beschädigt worden, auch eine der Marken hatte gelitten. Der Zensor in Frankfurt vermerkte den beschädigten Zustand mit einem Hinweisstempel, um die Dienststelle zu entlasten. Der Stempel ist sehr selten und kaum je dokumentiert worden. Von Frankfurt aus wurde der abermals zensierte Brief dann nach Hamburg befördert. Absender war übrigens die "Banco de Columbia" - der Empfänger dürfte auf Geld oder Kontoauszüge gewartet haben.  

 

Mai 2019

Nicaragua - ein Geschäftsbrief, mit dem das Land Werbung machte

Werbung ist in unserer Zeit oft nicht gern gesehen; sie verstopft unsere Briefkästen. Nicaragua verband früher beides - den gewöhnlichen Brief und die Werbung. Zu sehen ist ein dekorativ frankierter Luftpostbrief vom 11. Juli 1937 aus der Hauptstadt Managua nach Deutschland. Rückseitig findet sich ein rechteckiger Werbestempel für nicaraguanischen Kaffee - geschmacklich gut, aromatisch und belebend, wie der Text hervorhebt. Vermutlich wurde der Stempel von der Post angebracht. Auch andere kaffeeexportierende Länder hatten ähnliche Werbestempel. Kaffee war in Europa damals recht teuer, da lohnte der Aufwand. Kaffee aus Nicaraugua, gibt es den heute überhaupt noch?

 

April 2019

Costa Rica - als Ganzsachen noch Kunstwerke waren

Ganzsachen der heutigen Zeit für das allgemeine Publikum sind oft recht schmucklos. Früher war das anders; auf ihre Optik wurde sehr großen Wert gelegt. Oben ein Beispiel aus Costa Rica. Die Auslandskarte mit schöner künstlerischer Verziehrung lief 1892 aus der Hauptstadt San Jose nach Vaud in der Schweiz. Sie wurde am 10 November abgeschickt und traf am Empfangsort bereits am 1. Dezember ein - ein Tempo, das heute mitunter nicht mehr erreicht wird.

 

März 2019

Argentinien 1944 - oder als ein schweres Erdbeben eine Stadt verwüstete

Das verheerendste Erdbeben der argentinischen Geschichte traf am 15. Januar 1944 die Stadt San Juan in der nördlichen Andenregion. 90 Prozent aller Häuser wurden zerstört, etwa 10.000 Einwohner starben in den Trümmern. Die Post in Argentinien reagierte auf die Katastrophe mit einer Sondermarkenausgabe, die Zuschläge sollten den Erdbebenopfern zugute kommen. Dabei waren die gewählten Zuschläge ungewöhnlich hoch: Der Satz umfasste vier Marken mit einem Frankaturwert von je 5 Centavos, das Porto für einen Inlandsbrief. Eine Marke hatte einen Zuschlag von 10 Centavos, weitere von 50 Centavos und einem Peso und der Höchstwert gar von 20 Pesos - je wohlhabender der Argentinier, desto mehr konnte er spenden, mag sich die Post gedacht haben.

Der oben gezeigte Brief ist ein echt gelaufener Ersttagsbrief mit drei Werten des Satzes - der Höchstwert war dem Absender sicher zu teuer - in ein anderes Katastrophengebiet - das vom Zweiten Weltkrieg gezeichnete Europa. Er wurde am 17. Februar 1944 in Buenos Aires abgeschickt, durchlief die britische Zensur in der Karibik und später die deutsche Zensurstelle in Paris. Erst am 9. Juli war der Brief in Basel und wurde dann nach Ascona weitergeleitet - ein mediterranes Paradies in der Düsternis jener Zeit.

 

Februar 2019

Die Eintagsfliege - oder die ersten Sondermarken Lateinamerikas

Am 12. Oktober 1892 hat Argentinien zwei Sondermarken aus Anlass des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas in den Wertstufen zu 2 und 5 Centavos herausgegeben. In verschiedener Hinsicht sind diese Marken etwas Besonderes. So sind es die ersten Sondermarken Lateinamerikas und gleichzeitig die ersten Sondermarken, die ein globales Ereignis würdigen, wie es die Entdeckung Amerikas durch Christobal Colon ist. Zum ersten Mal waren Marken nur einen Tag gültig, nämlich am 12. Oktober 1892. Und zum ersten Mal gab es ein Erinnerungsblatt. 

Um den Tarif von 12 Centavos für einen Ortseinschreibebrief abzudecken musste beim abgebildeten Beleg eine 5 Centavos Marke, hier Michel Nr. 87 vom 10.9.1892 hinzu geklebt werden, da von den Sondermarken nur je eine Marke pro Person abgegeben wurde. Diese Freimarke zeigt das Abbild von Bernardino de la Trinidad González Rivadavia y Rivadavia, dem 1. Präsidenten der Vereinigten Provinzen des Río de la Plata, des heutigen Argentiniens. Die 12 Centavos Gebühr für Ortseinschreiben war kaum bekannt, von der Post erst im Oktober 1892 im größeren Umfang publiziert und nur 1892 gültig.

 

Januar 2019

So schön kann Post vom Amt sein - ein Dienstbrief aus Panama 

Dienstpost sieht heute oft sehr langweilig aus - früher war das noch anders. Da galt es, durch eindrucksvolle Aufmachung Gravität zu zeigen. Auch dieser Dienstbrief aus Panama strahlt Würde aus: Er wurde 1909 von der britischen Botschaft in Panama verschickt und musste von Brighton aus nach Croyden nachgesandt werden. Dafür wurden 2,5 Shilling nachberechnet. Da der Brief über die USA lief, wurde er noch mit einem R-Zettel des Auswechselpostamtes New York gekennzeichnet. 

 

Dezember 2018

Ein Einschreiben aus Argentinien - nicht ganz der Postordnung entsprechend

Eingeschriebene Briefe aus Lateinamerika sind gerade im 20. Jahrhundert recht häufig, da sie die Möglichkeit des registrierten und damit sicheren Versands boten. Hier hat der Absender die Post etwas überlistet: Frankiert wurde der Brief von Argentinien nach nach Uruguay 1927 u. a. mit einem Ganzsachenausschnitt zu 5 Centavos - und dies war eigentlich nicht legal. Solche Belege im Bedarf mit Ausschnitten aus Ganzsachen sind gerade aus Südamerika schwer zu finden.

 

November 2018

Ein Abschuss aus Haiti - mit dem Katapult schneller in Europa

In den Dreißigerjahren waren Direktflüge über den Atlantik noch selten; man behalf sich mit Katapulteinrichtungen auf den schnellen Ozeandampfern, um Post von und nach Europa noch schneller ans Ziel zu bringen. Recht oft trifft man solche Briefe mit der Destination USA oder solche von dort an. Hier ist einmal ein Exemplar, das von Haiti aus 1932 nach Deutschland befördert wurde. Auch der Briefinhalt ist noch erhalten - und gibt Einblicke in das Leben damals auf der Karibikinsel.

 

Oktober 2018

Feurige Angelegenheit - eine "Vulkan-Ganzsache" aus El Salvador

5 Centavos Umschlag aus weißem Papier im Format 160 x 89 mm. Die Auflage betrug 70.000 Stück. Der Umschlag zeigt eine für El Salvador typische Vulkanlandschaft, die Cerros Quemados im Ilopango See nahe San Salvador und im Hintergrund den Vulkan Chichontepec (San Vicente). 15.5.1889: Von La Libertad nach San Francisco (2.6.1889) war eine Zusatzfrankatur von 5 C. für Briefe der 1. Gewichtsstufe zum UPU Tarif notwendig. Der rote “PAID ALL“ - Stempel von San Francisco bestätigt die korrekte Frankierung. Der große Oval-Stempel „ADMON de CORREOS (Postverwaltung) LA LIBERTAD“ wurde wie zu der Zeit üblich auf dem Umschlag abgeschlagen ohne den Wertstempel zu treffen. Nur die Marke wurde mit einem stummen Stempel (hier ein Stern) entwertet.

 

September 2018

Chile - schöner können Verschlussmarken nicht sein

Meist werden in den Internetforen Ebay, Delcampe oder auch Ricardo die offiziellen Briefverschlussmarken der experimentierfreudigen chilenischen Postverwaltung in Valparaiso zu unterschiedlichen Preisvorstellungen angeboten. Sowohl mit Stempel oder auch neuwertig sind sie immer wieder zu finden. Echt verwendet auf Poststücken sind sie allerdings kaum je auf dem Markt. Dass man auch mal eine „Sternstunde“ erleben kann, beweist dieser Brief aus Chile, gelaufen von Valparaiso nach Valdivia vom 5. Juli 1899.

 

August 2018

Chile - Nachrichten in die alte, schlesische Heimat

Frankierte Auslandsbriefe der klassischen Markenzeit Chiles sind immer recht selten. Nach Frankreich sind sie noch zu finden; in andere Länder indes sind solche Belege außerordentlich selten. Hier ein Brief aus Union im Süden Chiles in der Gewichtsstufe eine halbe Unze. Der Absender berichtet darin über sein Leben in der neuen Heimat Chile. Der Brief war an einen alten Freund nach Glogau in Schlesien, also nach Preußen adressiert. Er wurde am 21. Januar 1865 aufgegeben und zeigt rückseitig den Durchgangsstempel von Valdivia, den Transitstempel von London, den Schiffspoststempel der Niederlande und schließlich den preußischen Postausgabestempel von Glogau vom 18. März 1865. Vorderseitig sind die Taxvermerke von - vermutlich - Großbritannien und Preußen vermerkt. Ich wäre für Hinweise dankbar, wie diese zu erklären sind. Meines Wissens ist dieser Brief der bisher einzig bekannte mit Destination Preußen, der mit klassischen Ausgaben Chiles frankiert wurde. 

 

Juli 2018

El Salvador – als ein General unversehens zum Feuerwehrmann wurde

Einschreibebrief mit Rückschein von San Salvador nach New York, an 20. Juli 1893. Die Gebühr von 26 Centavos setzt sich zusammen aus 11 Centavos für die 1. Gewichtsstufe bis 15 gr., 10 Centavos für die Einschreibgebühr und 5 Centavos für den Rückschein.

Die Marke zeigt das Abbild des Präsidenten General Carlos Ezeta. In Ermangelung eines Bildes des Generals in Uniform, hat der Grafiker der Hamilton Bank Note Engraving & Printing Co. ihn kurzerhand in die Uniform eines New Yorker Feuerwehrmannes gesteckt und somit ungewollt das erste Feuerwehrmotiv geschaffen. Man kann sich gut vorstellen, dass vor dem Druck Marken-Proben der Regierung wenn nicht gar dem Präsidenten zur Genehmigung vorgelegen haben und genehmigt wurden.

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